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KORG

WAVESTATION / pol syn 3340 (1990)

Korg Wavestation: Vektorsynthese und Wavesequencing Jeder Bericht über die WAVESTATION fängt mit ihnen an: Dave Smith und John Bowen, Ex-SEQUENTIAL-Entwickler, welcher nach dem Aufkauf SEQUENTIALs durch YAMAHA über eben YAMAHA (SY 22, TG 33) zu KORG kamen und das Know-How des PROPHET VS mitbrachten. Der PROPHET VS brachte mit der denkbar einfachen Vektorsynthese erstaunliches zustande und gilt heutzutage zu den gesuchtesten Synthesizern überhaupt. Man überarbeitete das Konzept und entwickelte die Advanced Vector Synthesis (AV) und man fügte mit dem Wavesequencing eine neue aufregende Variante der dynamischen Klangformung hinzu. Es entstand die WAVESTATION und ihre Anverwandten.

In der Tat ist die WAVESTATION ein überaus eigenständiges Instrument, welchem man sicherlich zu Recht einen unverwechselbaren Klangcharakter zuschreibt. Da erscheinen die zwei MByte Sample-ROM zunächst ein wenig mager und in der Tat hat KORG mit der M 1 und der T-Serie schon mehr geboten. Wenn man dann noch die schiere Anzahl der Wellenformen dazu betrachtet, 365 an der Zahl, erahnt man schon, das diese Wellenformen für sich allein nicht viel bieten können. Aber durch die Konzeption und den Klangformungsmöglichkeiten der WAVESTATION-Serie und nicht zuletzt durch den dynamischen Effektprozessor - besser gesagt sind es derer sogar gleich zwei - relativieren sich die vermeintlichen Mängel am Sample-ROM. Schliesslich ist es auch jederzeit möglich, weitere Wellenformen über separat erhältliche PCM-Cards nachzuladen und/oder der Einbau der Erweiterung EXK-WS vorzunehmen. Wo fängt man an? Nun, die AV-Synthese an sich tritt hier eigentlich weniger in den Vordergrund, wenn auch hiermit die SCI PROPHET-VS-typischen Klanggebilde erreicht werden können. Die Vektorsynthese geht von der Theorie der dynamischen Mischung von vier Oszillatoren aus. Das Mischungsverhältnis wird mit einem Joystick vorgegeben und von der WAVESTATION aufgezeichnet. Später wird bei Tastendruck eben diese aufgezeichnete Mischung abgefahren und es lassen sich dynamische Klanggebilde realisieren, wobei zwischen den vier verschiedenen Oszillatoren in beliebiger Reihenfolge dynamische Überblendungen vorgenommen werden.

Der eigentliche Clou sind aber die Wavesequencen. Hierbei werden bis zu 255 Wellenformen hintereinander gehängt und abgespielt. Dabei lassen sich einige wichtige Parameter einstellen, die der Kontrolle der Abspielreihenfolge und -dauer, sowie die Überblendung von Wellenform zu Wellenform dienen. Neben weichen Überblendungen können auch harte Wechsel zwischen den Wellenformen programmiert werden. So lassen sich neben dynamischen Klanggebilden mit weichen Überblendungen auch rhythmische Strukturen (z. B. mit Drumsamples) erzielen. Da zudem die relative Tonhöhe zur gespielten Taste eingestellt werden kann, sind prinzipiell auch kurze Sequenzen möglich, welche sich auf Tastendruck transponieren lassen. Aber auch einfache Anwendungen von höchster Effektivität sind möglich, wie z.B. das Prinzip der TECHNICS AX-Keyboards mit den Attackund Body-Sources. Man nehme eine Attack-Wellenform, wie z. B. HARD EP (Wellenform 33) und hänge dahinter die Wellenform EP BODY 1 (35). Da bestimmte Abschnitte einer Wavesequence geloopt werden können, loopt man eben die zweite Wellenform und lasse den Wechsel von Wellenform zu Wellenform abrupt verlaufen. So hat man mit einer Wellensequenz ein E-Piano geschaffen. Man bedenke: jeder der maximal vier Oszillatoren kann eine Wellensequenz enthalten. Bei herkömmlichen Synthesizern wären hierfür zwei Oszillatoren mit umständlicher Hüllkurvenprogrammierung erforderlich gewesen. Schon hier lässt sich das kreative Potential der WAVESTATION erkennen. Dabei haben wir bislang noch keinen "handelsüblichen" Parameter besprochen.

Nun, die WAVESTATION ist maximal 32-stimmig, will heissen, es stehen 32 Oszillatoren zur Verfügung. Wollte man ausschliesslich die AV-Synthese nutzen (Vektormischung zwischen vier Oszillatoren) so ist die WAVESTATION zumeist nur achtstimmig. Diese 32 Oszillatoren durchlaufen die 32 korgtypisch resonanzlosen Filter, welche im Prospekt keinerlei grösseren Erwähnung finden. Schliesslich kommen die Modulatoren zum Einsatz: zwei LFOs pro Oszillator, je eine Lautstärke- und Filterhüllkurve. Die Programmierung wird erleichtert durch einige vorprogrammierte Makros für Pitch-, Filter-, Verstärker-, Panorama-, Hüllkurven- und Keyboard-ModeParameter. Nicht zu vergessen sind die Bedienelemente: ein grosses grafikfähiges Display (64 x 240 Pixel) mit Softkeys, Plus/Minus-Tastern, Zehnertastenblock und Endlosrad, sowie ein Cursortastenblock. Äusserlich wirkt die WAVESTATION schlicht und modern gestylt. Anstelle des berühmten KORG-Joysticks sind hier ausnahmsweise Räder für die Tonhöhenbeugung und für die Modulation angebracht. Neben den vielfältigen Modulationsmöglichkeiten soll besonders der Einsatz des Modulationsrades mit dem Effektprozessor erwähnt werden. So lässt sich z. B. die Hallänge mit dem Rad modulieren u.v.m. Der Effektprozessor ist gleich zweimalig vorhanden und kann sowohl parallel als auch seriell geschaltet werden. Jeder bietet 47 verschiedene Effektprogramme an. Hier findet man alles, was es an sinnvollen Effekten gibt: Hall, Echo, Phaser, Equalizer, Chorus, Flanger, Enhancer, Exciter, Distortion, Rotary Speaker und Pitch Shifter. Mit der EXK-WS kommen dann sogar noch Vocoder-Effekte hinzu.

Die Speicherorganisation der WAVESTATION bereitet ein wenig Kopfzerbrechen, da man sehr schnell sehr viel zerstören kann. Grundsätzlich wird man immer eine Performance als das anwählen, was in anderen Synthesizern als Patch, Voice oder Sound bezeichnet wird. Dabei sind die Performances schon die nächsthöhere Ebene, in welcher sich bereits Splitund Layer-Sounds programmieren lassen. Die eigentlichen Klänge nennen sich Patch und stehen pro Speicherbereich (intern 1 x ROM, 2 x RAM, auf Card zusätzlich jeweils ein Speicherbereich) 35 mal zur Verfügung. Sie dienen als Grundlage für die Performances (50 mal pro Speicherbereich). Ändert man also ein Patch, so ändert man mit grosser Wahrscheinlichkeit auch eine Performance! Dann gibt es eine noch höhere Ebene, die MultiSet-Ups. Hier lassen sich auf 16 Speicherplätzen Multimode-Einstellungen vornehmen. Bei extensiver Nutzung aller Möglichkeiten kann hier die WAVESTATION sehr schnell nur noch monophon spielbar sein. Bleiben noch die Wavesequences. Pro Speicherbereich stehen 32 zur Verfügung, wobei die im ROM der WAVESTATION enthaltenen Exemplare im Wellenformbereich mit den Nummern 00 - 31 untergebracht sind. Alles in allem ist die Organisation ein wenig unübersichtlich. Vor jeder Änderung sollte man die Originaldaten auf RAM-Card (MCR-03) sichern. Immerhin hat man für eine grosszügige Anzahl von Speichern gesorgt. Mit einer normalen WAVESTATION hat man Zugriff auf 96 Wavesequences, 105 Patches, 150 Performances und 16 Multimode-Set-Ups. Was will man mehr.

Dass die WAVESTATION sicherlich zu einer der grössten Innovationen der letzten Jahre gehört, steht völlig ausser Zweifel. Vielmehr hat man das Konzept weitergeführt und mit der WAVESTATION A/D wohl ein einzigartiges Instrument mit vielfältigem Einsatzbereich entwickelt. Um Missverständnisse zu vermeiden: die WAVESTATION ist kein Instrument für Naturklangliebhaber. Hier gibt es andere Synthesizer mit besseren Klängen, wie z. B. die E-MU SYSTEMS PROTEUS-Reihe oder die eigenen 01/W-Reihe. Der WAVESTATION bleibt es vielmehr vorbehalten, wie ein Synthesizer zu klingen!

Zum Überblick über die verschiedenen Versionen der WAVESTATION hier ein Überblick:

Die WAVESTATION-Familie
Modell Form Wellenformen (** Besonderheiten
WAVESTATION Key/61T. 364 Grundmodell, EXK-WS optional
WAVESTATION A/D Rack/2HE 486 A/D-Wandler (Wave 484/5) (*
WAVESTATION EX Key/61T. 484 Keyboard-Maximalausbau
WAVESTATION GRAFFITY Key/61T. 484 wie EX, Sonderdesign
WAVESTATION SR Rack/1HE 484 550 ROM-Performances
(* Die beiden Wellenformen 516 und 517 stehen für das am A/D-Wandler anliegende Signal "Input 1" und "Input 2".
(** Der Wellenspeicher zählt von 00 bis 31 die Preset-Wavesequenzen, die sich aus einigen der folgenden Wellenformen zusammensetzen. Bei der Anzahl der Wellenformen sind diese nicht mitgezählt!

WAVESTATION EX / pol syn 3090 (1991)

Kurz nach Einführung der WAVESTATION wurde deren Verkauf eingestellt und nur noch die EX-Version angeboten. Jede "einfache" WAVESTATION lässt sich aber nachträglich nachrüsten, denn die EX-Version ist nichts anderes als eine WAVESTATION mit nachgerüsteter EXK-WS-Platine.

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